Nachhaltige Energiewende

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Nachhaltige Energiewende

Der Anfang ist dank zahlreicher Einzelinitiativen und Projekte von Agenda 21-Gruppen, Vereinen, Bürgern und Kommunalvertretern gemacht. Was fehlt, ist eine langfristige Zielsetzung und eine übergreifende Klammer, d. h. ein politisches Commitment. Bayern und speziell der Lk Rosenheim sind Spitzenreiter bei Solarenergie, aber was bedeutet das für die Energiewende weg von zentralistischen Strukturen und hin zu einer regional vernetzten Eigenversorgung? Statt großspuriger und nicht nachprüfbarer Versprechungen a la Kopenhagen brauchen wir auf kommunaler Ebene für den (betroffenen) Bürger nachvollziehbare Stufenpläne und Meilensteine in jeder Kategorie: Strom- und Wärme-/Kälteerzeugung, Mobilität und Energieeffizienz. Selbstgefälligkeit nach dem Motto "wir haben ja schon 100 % der Stromversorgung für private Haushalte erreicht" sind da eher kontraproduktiv. Erstens ist der Gesamtenergieverbrauch (und nicht nur der 30%ige Stromanteil) für die Klimabilanz entscheidend und zweitens sind neben den Privatverbrauchern vor allem die energieintensiven Gewerbebetriebe einzubeziehen. Dann schrumpft der 100%-Anspruch schnell auf realistische 30% bis 2020 und man verstellt nicht den Blick auf die noch zurückzulegende Wegstrecke. Und es wird auch deutlich, dass eine Energiewende ohne verantwortliche Beteiligung der Kommunalvertretungen, der Gewerbebetriebe und der Bürger nicht umgesetzt werden kann.

Und hier kommt der finanzielle Aspekt ins Spiel. Was bisher als Hobby von ökologisch angehauchten Menschen funktionierte (wie die Beteiligung an einem Bürgersolarprojekt mit anständiger Verzinsung), das wird plötzlich zur alles entscheidenden Zukunftsalternative: Entweder eine starke Eigenversorgung mit rechenbaren, erneuerbaren Energien (auch bei reduzierter Förderung), oder eine unkalkulierbare Abhängigkeit vom Energie-Weltmarkt, also von Ölscheichs, politischen Hasardeuren, Finanzspekulanten und Energiemultis. Spätestens hier wird deutlich, dass Kommunen und/oder Landkreise nicht ohne eine beratende, kontrollierende und lenkende Energieagentur bzw. Stadtwerke zum Ziel kommen, nämlich einer sicheren, bezahlbaren und umweltneutralen Energieversorgung der Zukunft. Dazu gehört nicht nur ein Masterplan für die einzelnen Erzeugungs- und Verbrauchssektoren, sondern auch eine Bewertung der notwendigen Investitionen nach Aufwand und Ertrag, die erst eine Priorisierung ermöglicht. Ein ausgewogener Energiemix wird spätestens in 2020 zum regionalen Wirtschaftsfaktor werden. Es kann einer Kommune deshalb auch nicht egal sein, ob sich energie- oder arbeitsintensive Betriebe ansiedeln nach dem Motto "Hauptsache Steuereinnahmen". Energieerzeugungs- u. Verbrauchskapazitäten müssen vielmehr aufeinander abgestimmt werden, um mit geringstem Aufwand die höchste Effizienz (Energieeffizienz) zu erreichen. Am Strommarkt werden demnächst mit dem intelligenten Netz (smart grid) die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen. Damit wird nicht nur der lastabhängige Stromtarif auch für Privatverbraucher eingeführt, sondern die Einbindung der Akkus von Elektrofahrzeugen als Interims-Stromspeicher ermöglicht. Am Wärme-/Kältemarkt müssen die regionalen Versorger bzw. Kommunen durch ein Nahwärmenetz selbst für eine ausgewogene Balance von Angebot und Nachfrage sorgen. Jede verschwendete Kilowattstunde ist ein doppelter Schaden für Wirtschaft und Umwelt.

Wer also wie ROSOLAR (Rosenheimer Solarförderverein e.V.) mit gutem Beispiel vorangehen will, der muss neben den 100%-Urkunden auch Zitronen ("Schwarze Peter") an diejenigen verteilen, die immer noch tatenlos abseits stehen nach dem Motto "Was geht mich das Überleben der Eisbären und die Umweltflüchtlinge in Bangladesh an?" Die Folgen eines unkontrollierbaren Klimwandels werden uns alle treffen, die einen früher, die anderen später.